Am 20. Mai 1862 ereignet sich über den sanften Hügeln zwischen Zimmerwald und Kirchdorf eine Naturkatastrophe, die uns daran erinnert, wie verwundbar die menschliche Existenz trotz allen Fortschritts bleibt. Anderthalb Stunden lang – eine Ewigkeit für jene, die zusehen müssen, wie ihre Lebensgrundlage vernichtet wird – bombardiert der Himmel die Felder mit Hagelkörnern von der Grösse einer Baumnuss.
Die kurze Zeitungsnotiz spricht von prächtigen Kornfeldern, wo «alles Korn in den Boden hineingeschlagen» ist, von Fruchtbäumen «so arg zerstört, dass kein Laub mehr zu sehen ist» und von zerschlagenen Hoffnungen «des Landmanns».
Die geografische Eingrenzung des Unwetters – von Zimmerwald über Ober- und Niedermuhlern «zum Theil bis nach Kirchdorf» – zeigt die Zufälligkeit, mit der die Natur zuschlägt und die uns noch heute beschäftigt. Wenige Kilometer weiter scheint vielleicht die Sonne, während hier Existenzen bedroht sind.
Was der knappe Zeitungsartikel nicht berichtet: Welche Geschichten erzählten sich die Menschen später von jenem Dienstagabend, als der Himmel Nüsse warf?
Quellen:
Lindauer Tagblatt für Stadt und Land 1862, Bayerische StaatsBibliothek
Titelbild:
Daniel Mietchen, Creux du Van hail IMAG3437, CC0 1.0